{"id":326,"date":"2025-10-28T13:25:54","date_gmt":"2025-10-28T12:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/?p=326"},"modified":"2025-10-28T13:53:48","modified_gmt":"2025-10-28T12:53:48","slug":"rheinmetall-entwaffnen-aktionswoche-nachbericht-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/?p=326","title":{"rendered":"Rheinmetall Entwaffnen Aktionswoche Nachbericht &amp; Interview"},"content":{"rendered":"\n<p>Vom 26.8. bis 31.8. hat in K\u00f6ln die Rheinmetall Entwaffnen Aktionswoche stattgefunden. Einem vorangegangenen Versuch der staatlichen Repressionsorgane das Camp im K\u00f6lner Gr\u00fcng\u00fcrtel zu verbieten konnte sich entschlossen entgegengestellt werden. Die darauffolgende Woche war gekennzeichnet durch zahlreiche wirksame antimilitaristische Aktionen. Dazu z\u00e4hlen unter anderem die Besetzung der SPD Parteizentrale, Blockaden der DEUTZ AG und eines Rheinmetall Tochterunternehmens, Markierung der Allianz-Versicherung, Microsoft B\u00fcrogeb\u00e4ude, Kriegsprofiteuren und des Karrierecenters der Bundeswehr, sowie die Werksschlie\u00dfung von Diehl Defence.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben im Zuge des Endes der Rheinmetall Entwaffnen Aktionswoche mit verschiedenen Menschen gesprochen, um das Erlebte auszuwerten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer bist du?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Mein Name ist Thespina Lazaridu, ich bin 65 Jahre, Mitglied der Gruppe Free Assange K\u00f6ln und Mitglied der DFG-VK K\u00f6ln. Ich bin \u00fcberzeugte Pazifistin.<\/p>\n\n\n\n<p>Ronja*: Ich bin aktiv im Offenen Treffen gegen Krieg und Militarisierung in K\u00f6ln. Ich bin 24 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus welcher Perspektive oder Position hast du die Demo erlebt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Ich war Demonstrations-Teilnehmerin. Zu zweit trugen wir ein gro\u00dfes Banner.<\/p>\n\n\n\n<p>Ronja: Demonstrant:in im revolution\u00e4ren Block<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie hast du die Demonstration am 30.08. wahrgenommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Am Aufstellungsort erstaunte -und freute mich- die gro\u00dfe Menge der Mitdemonstrierenden und besonders die gro\u00dfe Menge junger Menschen. Insgesamt habe ich eine freundliche und friedliche, teils sogar lustige Atmosph\u00e4re bei den Demonstrierenden erlebt. Eine aggressive Haltung h\u00e4tte mich von einer Teilnahme abgehalten oder ich h\u00e4tte mich bei solcher Entwicklung zur\u00fcck gezogen. Das hat zum einen gesundheitliche Gr\u00fcnde und zum anderen ist es meiner grundlegend pazifistischen Einstellung geschuldet.<\/p>\n\n\n\n<p>Ronja: Die Demonstration war f\u00fcr mich ein ausdrucksstarkes Zeichen und vor allem ein Spiegel daf\u00fcr, wie viele Menschen mobilisierbar f\u00fcr eine antimilitaristische und anti-Kriegs Perspektive sind. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele sich bereits am Startpunkt sammelten, als sich die gro\u00dfe Anreise aus dem Camp einfand. \u00c4hnlich wie das gesamte Camp, empfand ich die Demonstration als H\u00f6hepunkt des Zusammenkommens und der gelebten Solidarit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es eine bestimmte Situation oder ein bestimmtes Gef\u00fchl, was dir besonders im Kopf geblieben ist?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Meiner Wahrnehmung nach, war die Polizeipr\u00e4senz vollkommen \u00fcberdimensioniert. Der Start des Demozuges zog sich sehr extrem in die L\u00e4nge. Es gab st\u00e4ndige Bekanntmachungen der Polizei mit jeweils neuen Auflagen. Wurde eine Auflage erf\u00fcllt, durfte der Zug starten. Nach einigen Minuten wurde erneut etwas beanstandet, der Zug mu\u00dfte wieder zum Stehen kommen. So gab es ein st\u00e4ndiges Stop and Go. Das war nicht nur anstrengend und entnervend, sondern machte sehr bald die \u00e4u\u00dferst provokative \u201eStrategie\u201c der Polizei deutlich. Die Auflagen waren meist willk\u00fcrlich und teils abstrus. So wurde z. B. gefordert, dass \u201eMetallstangen\u201c entfernt werden m\u00fc\u00dften, weil sie als Waffen eingesetzt werden k\u00f6nnten. Auf Nachfrage (auch von mir pers\u00f6nlich), um welche Metallstangen es sich handelte, nannte man mir in der Hauptsache die Teleskopstangen an denen Fahnen befestigt werden. F\u00fcr meine Begriffe w\u00e4ren Menschen die Gewalt anwenden wollen, denkbar schlecht beraten sich mit solchen Teleskopstangen auszur\u00fcsten. Tausendfach werden sie auf Veranstaltungen und Demonstrationen eingesetzt als Fahnenstangen. Ich habe nie vorher erlebt, dass sie als Bewaffnung deklariert wurden- wie auch; sie knicken und brechen schnell, selbst bei Wind- beim Einsatz gegen eine behelmte Polizei in Schutzkleidung\u2026 wohl eher eine bescheuerte Idee. Selbstverst\u00e4ndlich wei\u00df die Polizeileitung solche Dinge &#8211; und gewaltbereite Demonstranten auch. Eine wunderbare Reaktion auf diese Aufforderung zur Entfernung der Metallstangen kam von den Clowns die den Demozug begleiteten: Sie versuchten scherzhaft die (Metall-)poller am Platz zu entfernen. Auch sie sind sp\u00e4ter von der Polizei attackiert worden &#8211; sie waren wirklich sehr erschrocken und manche weinten. K\u00f6rperliche Verletzungen und traumatisierende Erfahrungen sollten wohl nachhaltig eine abschreckende Wirkung erzeugen. Denn wer geht schon erneut auf die Stra\u00dfe, nach solchen Erlebnissen? Das hat mich besonders ber\u00fchrt und es ekelt mich heute noch.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-329\" srcset=\"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-300x200.jpg 300w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-768x512.jpg 768w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-1200x800.jpg 1200w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/6-1980x1320.jpg 1980w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ronja: Besonders im Kopf geblieben ist mir das Gef\u00fchl der Verbundenheit, mit Genoss:innen, ob fremd oder bekannt, zusammenzustehen und vor allem zusammenzuhalten. In seiner Wahrnehmung und seinen Gef\u00fchlen f\u00fchlt man sich oft alleine, auf dem RME Camp und insbesondere auf der Demo habe ich mich keine Sekunde alleine gef\u00fchlt, ich konnte mich darauf verlassen, dass mir aufgeholfen wird, ich unterst\u00fctzt werde, wenn n\u00f6tig, und nicht alleine mit meinen Erfahrungen, aber auch im Kampf gegen die fortschreitende Militarisierung bin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie hast du das Auftreten der Polizei in der Mechthildisstra\u00dfe wahrgenommen? Ist das schon vor Eintreffen der Demo absehbar gewesen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Hm, ja.. in der Mechtildisstra\u00dfe finalisierte die Polizei das, was sie bereits vorher versuchte &#8211; zu eskalieren. Marker wie z.B. Gr\u00f6\u00dfe des Polizeiaufgebots (im Vergleich zu den Protestierenden), Behelmung und Angriffsbereitschaft, Reaktionen Einzelner auf Kommunikation\/Informationsw\u00fcnsche waren bereits zu Beginn des Demozuges schlecht gesetzt. Mein Eindruck war, dass die Polizei bereits zu Beginn so viel Teilnehmende wie m\u00f6glich demotivieren, ver\u00e4ngstigen und zerm\u00fcrben wollte. In weiterer Folge provozierte sie, wohl in der Annahme eine Eskalation zu erwirken, die nicht gelang. Die DemonstrationsteilnehmerInnen blieben friedlich. Zwar gibt es einige Stimmen Demonstrierender, die verbale \u00c4u\u00dferungen wie \u201eganz K\u00f6ln ha\u00dft die Polizei\u201c oder das z\u00fcnden von Bengalos (in den Farben Pal\u00e4stinas), bereits als \u201eGewalt\u201c betrachten. Ich selbst ordne das nicht so ein. Slogans wie der erw\u00e4hnte, sind zwar nicht zielorientiert und daher w\u00e4re es besser sie wegzulassen aber sie sind nicht mal beleidigend. Bengalos zu z\u00fcnden wenn bereits sehr deutlich wird, das die Polizei auf etwas lauert um ihrerseits Gewalt auszu\u00fcben, ist nicht klug &#8211; aber ein paar gez\u00fcndete Bengalos an einem Tag wo die K\u00f6lner Lichter gez\u00fcndet werden \u2026mir fehlt hier eine Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit. Dass Gewalt seitens Demonstrierender nicht im Plan war, konnte jede\/r mit einem Blick auf deren Bekleidung und \u201eAusr\u00fcstung\u201c sehen, die leicht und leger war. Keine \u201eSchutzkleidung\u201c, keine \u201eBewaffnung\u201c\u2026 sehr viel anders als die der Polizei.<\/p>\n\n\n\n<p>Ronja: Beim Eintreffen auf dem Versammlungsort wurden wir direkt mit Beleidigungen \u00fcber unser Aussehen von den Bullen begr\u00fc\u00dft. Bereits vor Beginn der Kundgebung hat die Polizei versucht die Menge einzusch\u00fcchtern, sei es mit eben diesen Beleidigungen, aggressiven Auftreten oder dem gescheiterten Versuch eine Person aus der Menge zu ziehen. Sie hielt die gesamte Demo unter vorgesetzten Gr\u00fcnden am Losgehen ab und konzentrierte sich darauf den revolution\u00e4ren Block von der restlichen Demo zu spalten. Das ist ihr zu keinem Zeitpunkt gelungen. Der Angriff auf die Demo, auf den revolution\u00e4ren Block, ist klar als Versuch die Antikriegsbewegung im Keim zu ersticken und das Campverbot auf dieser Ebene fortzusetzen, zu verstehen. Die Bullen haben wahllos Gr\u00fcnde gesucht die Demonstration aufzuhalten, seien es angeblich zusammengeknotete Transpis, Vermummung oder Fahnenstangen. Zuguterletzt sahen sie den Lautsprecherwagen des revolution\u00e4ren Blocks als Anlass in die Demo zu st\u00fcrmen und eine beispiellose Gewalt anzuwenden, um den, im Vorhinein der Demo eh kontrollierten, Lautsprecherwagen erneut zu durchsuchen und s\u00e4mtliches Material zu zerpfl\u00fccken und zu zerst\u00f6ren. All das f\u00fcr ein paar gefundene Wunderkerzen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"800\" src=\"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-328\" srcset=\"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/7.jpg 640w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/7-240x300.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Diese unberechenbare Staatsgewalt haben wir aber nicht hingenommen!&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Geschlossen haben wir uns dem entgegengesetzt und bis zum Schluss Schulter an Schulter, solidarisch und k\u00e4mpferisch die Stellung bewahrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Rheinmetall Entwaffnen Camp hat eins gezeigt:<\/p>\n\n\n\n<p>Als Bewegung zusammenzukommen, sich spektren\u00fcbergreifend zu bilden, gemeinsam in Aktion zu gehen und eine Verl\u00e4sslichkeit und Vertrauen aufzubauen l\u00e4sst uns st\u00e4rker und widerstandsf\u00e4higer zur\u00fcck. Solidarit\u00e4t, Kollektivit\u00e4t und Widerstandsgeist haben die Demo und insbesondere den inhumanen, brutalen und schikan\u00f6sen Kessel des revolution\u00e4ren Blocks gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast du ein solches Verhalten von der Polizei erwartet oder auch schonmal erlebt?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: \u00c4h, ja.. ich will es mal so sagen: wenn ich auf eine Regierungsgef\u00f6rderte Demonstration z.B. \u201egegen Rechts\u201c gehe, erwarte ich kaum polizeiliche Gewalt. Demonstriere ich jedoch gegen Absichten und Handeln der jeweiligen Regierung, wei\u00df ich, dass die Polizei keinesfalls zu meinem Schutz da ist. Erlebt habe ich solches Verhalten wie in der Mechtildisstra\u00dfe leider \u00f6fter- auch mit wesentlich exzessiverer Brutalit\u00e4t. Ja, h\u00e4ufig genug verh\u00e4lt sich die Polizei wie das Milit\u00e4r- sie macht Krieg gegen die eigenen B\u00fcrger.<\/p>\n\n\n\n<p>Ronja: Die erlebte Polizeigewalt reiht sich ein in eine unz\u00e4hlige Menge an Angriffen der Bullen auf Demonstrationen und Demonstrant:innen. Insbesondere im Kontext der Pal\u00e4stina-Solidarischen Demonstrationen, vor allem in Berlin, scheint es als w\u00fcrde die Polizei auf der Stra\u00dfe austesten wie brutal sie vorgehen k\u00f6nnen, ohne, dass es gesellschaftliche oder rechtliche Konsequenzen gibt. All das nimmt immer mehr zu. Die Bullen dienen dem herrschenden kapitalistischen System als ausf\u00fchrender Gewalt- und Unterdr\u00fcckungsapparat. Zu sp\u00fcren kriegen wir es, die sich dem entgegenstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Repression ist ein Bestandteil des Kampfes gegen die Herrschenden. Doch das h\u00e4lt uns nicht davon ab f\u00fcr unsere Werte einzustehen. Wir m\u00fcssen das so nicht hinnehmen und werden weiterhin auf der Stra\u00dfe f\u00fcr ein besseres Leben k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie w\u00fcnschst du dir, dass mit solchen Situationen umgegangen wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Ich w\u00fcnsche mir eine unabh\u00e4ngige Presse zur Dokumentation, eine Gesellschaft die Versammlungsfreiheit und freie Meinungs\u00e4u\u00dferung als sch\u00e4tzenswert betrachtet, auch dann wenn sie kontrovers scheint. Und eine Polizei, die zum Schutz dieser Freiheiten arbeitet und nicht umgekehrt..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was m\u00fcsste deiner Meinung nach passieren, damit sich etwas \u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Die politischen Akteure zumal in Regierungs\u201cverantwortung\u201c, neigen nicht zu positiven Reformen den B\u00fcrgerInnen gegen\u00fcber &#8211; also m\u00fcssen die B\u00fcrgerInnen das Heft (wieder!) selbst in die Hand nehmen. Weder Recht noch Frieden machen sich von allein. Sie sollten, anders als es in der g\u00e4ngigen Praxis gehandhabt wird, Versammlungsfreiheit sch\u00fctzen. Verst\u00f6rend ist es, wenn schon den sehr jungen Menschen die richtig harte Kante gezeigt wird, um sie zuk\u00fcnftig von freier Meinungs\u00e4u\u00dferung, von Versammlungen, abzuhalten. Die Regierung wird sich die n\u00e4chsten Jahre mit noch gr\u00f6\u00dferen Unmuts\u00e4u\u00dferung der Bev\u00f6lkerung konfrontiert sehen. Schlicht aus dem Grund, dass die Menschen, insbesondere die jungen Menschen, nicht dumm genug sind zu akzeptieren, dass sie f\u00fcr die Kriegs-Profite Einzelner, zuk\u00fcnftig prek\u00e4r leben m\u00fcssen, t\u00f6ten und get\u00f6tet werden sollen. Dass exzessiv Sch\u00e4den an der Umwelt durch Aufr\u00fcstung und Krieg stattfinden. Nat\u00fcrlich pa\u00dft das Verhalten der Polizei in das gegenw\u00e4rtige politische Konzept der Militarisierung, Aufr\u00fcstung und der Kriegsvorbereitung. Dar\u00fcber sollten sich auch die PolizistInnen Gedanken machen. Dass friedliche Versammlungen in einer demokratischen Gesellschaft unter der Androhung von Sanktionen stehen, ist doch absurd genug.<\/p>\n\n\n\n<p>Ronja: Der Staat und die Herrschenden beweisen tagt\u00e4glich, dass sie nicht im Interesse der Arbeitenden handeln. Auf sie k\u00f6nnen und sollten wir uns nicht verlassen! Wir m\u00fcssen unser Schicksal selber in die Hand nehmen und bestimmen. Es liegt an uns zu entscheiden, ob wir in dieser kapitalistischen Elendsspirale bleiben oder uns befreien. Befreien k\u00f6nnen wir uns aber nur gemeinsam. Wir m\u00fcssen uns zusammenschlie\u00dfen in Orgas, in Treffen, in Arbeitsgruppen und gemeinsam auf der Stra\u00dfe f\u00fcr ein besseres Leben k\u00e4mpfen!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Liegt dir zu diesem Tag oder der Woche noch etwas Bestimmtes auf dem Herzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Thespina L.: Ja. Solange wir als Gesellschaft so sind wie wir sind, traurig n\u00e4mlich, w\u00e4re es sch\u00f6n und sinnvoll wenn wir, FriedensaktivistInnen, \u00fcber H\u00fcrden hinweg uns die H\u00e4nde reichen, uns gegenseitig st\u00fctzen und sch\u00fctzen. Solidarit\u00e4t und Vernetzung wird das Gebot, insbesondere der kommenden Zeit sein. Es steht nicht rosig f\u00fcr eine friedliche Zukunft &#8211; wir werden h\u00e4ufig u. a. auf der Stra\u00dfe sein m\u00fcssen und h\u00e4ufiger h\u00e4\u00dflichen Situationen begegnen. Wir brauchen Phantasie und unerwartete, friedliche \u201eStrategien\u201c. Wir haben uns in der Mechtildisstra\u00dfe an unsere Mitb\u00fcrger gerichtet, und wir bekamen Unterst\u00fctzung. Das war toll. Es braucht, dringend Gespr\u00e4che dar\u00fcber, wie wir uns selbst, mit friedlichen Mitteln, vor solchen \u00dcbergriffen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Ich w\u00fcnsche mir, dass wir in Zukunft, einer aggressiven Polizei, verletzte und traumatisierte Menschen in unseren Reihen, nicht mehr erlauben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ronja: Mein Engagement, mein Auftreten und mein Sicherheitsgef\u00fchl w\u00e4re auf dem Camp und auf der Demo niemals so stark gewesen, w\u00e4re ich nicht in Gemeinschaft gewesen und h\u00e4tte ich nicht als Kollektiv gehandelt. Ob spektren\u00fcbergreifend oder nicht &#8211; ich kann nur nochmal betonen, wie wichtig es ist sich zusammenzuschlie\u00dfen und sich zu organisieren. Gemeinsam sind wir st\u00e4rker!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Interview.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>*Name ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anwohner:innen Gespr\u00e4che<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge der Auswertung der Geschehnisse auf der Mechthildisstra\u00dfe wurden auch einige Gespr\u00e4che mit Anwohner:innen gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon w\u00e4hrend der andauernden Ma\u00dfnahmen der Polizei am Tag der Demo wurde direkte Solidarit\u00e4t durch die Unterst\u00fctzung des Kessels der Anwohner:innen sp\u00fcrbar. Bei den gef\u00fchrten Gespr\u00e4chen wurde deutlich, dass, trotz teilweise inhaltlicher Differenzen in Bezug auf das Auftreten und die Inhalte der Demonstration, die Polizei als bedrohliche und eskalierende Seite wahrgenommen wurde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"476\" src=\"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/4.webp\" alt=\"\" class=\"wp-image-330\" srcset=\"https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/4.webp 640w, https:\/\/antikriegkoeln.noblogs.org\/files\/2025\/10\/4-300x223.webp 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor allem ein Unverst\u00e4ndnis gegen\u00fcber der ausge\u00fcbten Gewalt war eines der vorherrschenden Emotionen in den Gespr\u00e4chen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In den Gespr\u00e4chen kam au\u00dferdem hervor, dass die erlebten Ereignisse bei vielen ihr bisheriges&nbsp; Bild der Polizei ins Wanken brachten. Es kam vereinzelt zu Ermutigungen zum Weitermachen und der Aussprache von Solidarit\u00e4t im antimilitaristischen Kampf.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir bedanken uns bei allen Menschen, die mit uns Interviews gef\u00fchrt haben, die mit uns \u00fcber ihre Erlebnisse gesprochen haben und bei allen, die ihre Emotionen mit uns geteilt haben, positiv, sowie negativ.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf dem Camp konnte revolution\u00e4re Gegenmacht greifbar gemacht werden. Die Mobilisierungsf\u00e4higkeit und das Interesse an einem k\u00e4mpferischen Antimilitarismus haben sp\u00fcrbar zugenommen. Auch eine qualitative Weiterentwicklung bei Aktionen auf der Stra\u00dfe lie\u00df den Bullen nichts anderes \u00fcbrig als blo\u00df zu reagieren. Den Angriff auf die Demonstration als reine &#8222;Revanche&#8220; der Polizei zu betrachten, wird dem politischen Hintergrund der Gewalt nicht gerecht. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall: \u00c4hnlich eskalativ haben sich die Bullen in den letzten zwei Jahren vor allem gegen\u00fcber pal\u00e4stinasolidarischen Demos verhalten. Diese prozesshafte Normalisierung massiver Polizeigewalt ist Teil eines autorit\u00e4ren Staatsumbaus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf diesen gescheiterten Versuch der Bullen die antimilitaristische Bewegung mit brutaler Gew<\/em>alt <em>zu unterdr\u00fccken antworten wir mit Zusammenhalt und St\u00e4rke.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Uns zeigt es: Wir treffen mit unserem Widerstand einen wunden Punkt des deutschen Staates. Wir m\u00fcssen gemeinsam an die Erfolge des Rheinmetall Entwaffnen Camps anschlie\u00dfen und Kriegsprofiteure dort angreifen, wo sie angreifbar sind. Der Hauptfeind steht im eigenen Land. Krieg dem Krieg.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 26.8. bis 31.8. hat in K\u00f6ln die Rheinmetall Entwaffnen Aktionswoche stattgefunden. 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